Kneif mich mal

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Alle Preisträger 2015, ich gaaaaanz stolz neben Jonas Reif (Bild: Deutscher Gartenbuchpreis)

Ein mehrgängiges Abendessen auf edlem Porzellan serviert, den Abend im Kaminzimmer mit Baronin und Baron und bei „hauseigenem“ Rotwein ausklingen lassen, auf dem Schloss übernachten und am frühen Morgen aus dem Fenster den Schlosspark in Sonne und Raureif daliegen sehen… – sowas passiert nur in Rosamunde Pilcher-Romanen?

Da auch, aber auch, wenn man den Deutschen Gartenbuchpreis verliehen bekommt. So ist es uns am letzten Freitag ergangen. Um 13.00 Uhr kam die Nachricht, dass der Bio-Starter nominiert ist, um 14.30 Uhr saßen Fotografin Nadja und ich im Auto und bretterten mit dem kleinen roten Lupo Richtung Schloss Dennenlohe in Mittelfranken.

Warum unser Buch den Leserpreis bekommen hat? „Weil es dem Leser Mut macht, das biologische Gärtnern selbst auszuprobieren. Das Autorenteam versteht es, die Inhalte verständlich, unterhaltsam und kompakt zu vermitteln, und zwar ohne missionarischen Eifer. Außerdem sind die Fotos sehr ansprechend und authentisch. Wir finden, dass der eigene Garten in diesem Buch durchaus wiederzuerkennen ist. Der „Bio-Starter“ eignet sich gut für Einsteiger und ebenso für versierte Gärtner“ – so die Begründung der Jury.

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Maiglöckchen im Berufsverkehr

tram01Es ist doch immer wieder erstaunlich und vor allem erfreulich, wie friedlich, freundlich und kommunikativ Menschen sind, wenn sie im lärmig-hektischen Berufsverkehr einen mit Pflanzen reisenden Menschen entdecken.

Erlebnis 1: mit Maiglöckchen für meine Gastgeberin in der Straßenbahn
Ich werde angelächelt, beim Einsteigen vorgelassen und schließlich von einem alleinreisenden Herren angesprochen. Er gibt mir freundlich Tipps zur Pflanzung (halbschattig, breitet sich aus) und ich ihm das Gefühl, er würde mir bisher Ungewusstes erzählen. Die kleinen weißen Kugelglöckchen nicken zustimmend. Auch deren herrlichen Duft erwähnt der Mann. Einziger Wehmutstropfen: Leider schaffen sie es nicht, sein Waschabstinenzler-Aroma zu überdecken.

Erlebnis 2: mit zwei Kisten voller Pflanzen, ebenfalls in der Straßenbahn
Es war ein langer, anstrengender Tag, der mich unter anderem zu Sarastro Stauden, eine von Europas berühmtesten Staudengärtnereien geführt hat. Natürlich konnte ich einige Pflanzen nicht ungekauft lassen. Ich bin jetzt in der Straßenbahn mit zwei Pappkisten voller Pflanzen auf dem Weg vom Buchverlag für den ich unterwegs war zu meiner Münchener Unterkunft . Die Kisten kann ich in einer Ecke abstellen. Ich bin geschafft und dankbar für einen Sitzplatz, der in einiger Entfernung frei ist. So ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, zu wem die Pflanzen gehören.
Zwei Studenten steigen ein, gucken immer wieder verwundert Richtung Pflanzen und beginnen zu mutmaßen: handelt es sich um eine Maßnahme der MVG, die Tramfahrerei angenehmer zu machen? Hat jemand die Pflanzen vergessen? Was passiert wohl, wenn sie sich eine rausnehmen?
Langsam werde ich nervös.
Ich gebe mich als Besitzer zu erkennen und wir nehmen uns gemeinsam vor, der MVG ein Begrünungsprojekt vorzuschlagen. Am Stachus gehen wir lachend und ein wenig weniger müde auseinander.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Und wieso hat eigentlich noch niemand ein bepflanzbares Handtäschchen erfunden? So könnte man seine Lieblingspflanze oder die, deren Blütenfarbe gerade zum Outfit passt überall hin mitnehmen. Also, liebe Kreativlinge oder Existenzgründungsideensucher – ich freue mich auf eure Entwürfe!

Kongress, Kinderlachen, Korschenbroich

Drei unglaublich erlebnisreiche Tage voller inspirierender Gespräche liegen hinter mir. Und das alles bei phänomenal stimmungsaufhellendem Sonnenschein und Forsythienblüte. Ich bin euphorisiert und motiviert für die arbeitsreichen Wochen, die vor mir liegen.

Samstag und Sonntag war ich bei Journalistinnentag in Köln und konnte an lehrreichen Workshops teilnehmen, spannende Frauen kennen lernen und Kontakte knüpfen. Jetzt kann ich ganz souverän mit Begriffen wie Micropayment, Affiliate und Crowdfunding um mich schmeißen und damit womöglich sogar Geld verdienen. Carolin Neumann, die den Workshop „money, money, money“ gehalten hat, hat mich sehr beeindruckt. Ein tolle, engagierte Frau!

Übernachtet habe ich bei Freunden und Tochter Anna – einem (fast) immer fröhlichen Kind, mit einem so ansteckenden Lachen, dass ich sofort gute Laune bekomme. Mir ist dank ihr wieder aufgefallen, wie viel Bestaunenswertes es in der Welt gibt.

Und heute durfte ich dann noch die Krimi-Autorin Jutta Profijt in, oder besser bei Korschenbroich besuchen. Die Frau mit dem schönen Vornamen schreibt nicht nur erfolgreich über Tote und weniger Tote, sondern für die Transition Town-Gruppe in Korschenbroich ein Gartenblog, aus dem inzwischen ein Gartenbuch wurde. In Blog und Buch berichtet sie über ihren „Zweitjob“ als Selbstversorgerin. Wir hatten zwei wunderschöne Stunden auf der weißen Bank im Obstgarten, von der Sonne beschienen und von Hühnern umpickt, inklusive einem ermutigenden Gespräch über Selbstversorger sein und „Systemprotest“.

Aus dem Gespräch habe ich viel mitgenommen – wohlsortiert und hoffentlich auch als Anregungen für euch, findet ihr es demnächst hier im Blog.

Wohin des Wegs? In den drei Tagen habe ich viel erfahren, was mich weiterbringt. Hier gehts erstmal von Jutta Profijts Haus Richtung Bahnhof – Äcker, frühlingshaft aktive Hasen und Sonne im Blick.