Mach dich frei!

„20 Stunden arbeiten und damit die Welt retten“ so die sehr stark verkürzte These von Niko Paech, Volkswirtschaftler, Nachhaltigkeitsforscher und Umweltökonom. Wenn man sich in der „alternativ leben“-Szene umtut, eine Name auf den man immer wieder stößt.

Um so froher war ich, als ich erfuhr, dass der Papst der Postwachstumsökonomie in Steinhagen einen Vortrag hält. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse können andere bestimmt besser widergeben. Unten habe ich ein paar Links gesammelt, wo Menschen dies tun. Ich will hier weitergeben, welche konkreten Anregungen ich mitgenommen habe.

  • Freiheit = frei machen Das lasse man sich mal auf der Zunge zergehen. Ich überlege also, von welchen Dingen ich mich verabschieden kann, statt zu überlegen, welche Dinge mir Freiheit versprechen.
  • Denn: Alles was ich besitze verbraucht Lebenszeit. Ich muss es auswählen, kaufen, Geld für den Kauf ranschaffen, benutzen, pflegen, entsorgen. Je mehr ich will, desto mehr muss ich verdienen, je mehr ich habe, desto größer muss meine Wohnung/Unterstellmöglichkeit sein, desto mehr ich wiederum verdienen etc. Reduktion ist also nicht Verzicht oder Unfreiheit sondern Befreiung.
  • Sprich: Lieber weniger besitzen, dafür bewusster damit umgehen, es bewusster genießen
  • Selbstversorgung in den Alltag integrieren: Hier kommt das 20 Stunden-Ding ins Spiel. Es geht nicht darum, den globalen Handel zu verteufeln und allen Produkten zu entsagen. Sondern zu überlegen, was ich wirklich kaufen muss und was ich teilen, intensiver nutzen und selber machen kann.
  • Statt Kapital das „soziale Kapital“ nutzen. Also: Mit anderen zusammenschließen und Dinge, die man nicht täglich braucht teilen. (Auto, Kamera, Rasenmäher) Das ganz in einem kleinen, überschaubaren Kreis, wo man sich kennt und vertraut. Oder gemeinsam Gemüse anbauen, Dinge reparieren und das Wissen der anderen nutzen.
  • Die Energiewende ist ein Schönwaschprogramm, denn Technik ist auf Dauer keine Lösung. Es wird der Welt nicht helfen, wenn man versucht, „umweltschonend“ mehr Energie zu erzeugen, sondern wenn man Energie spart.
  • Alles was wir tun hat einen ökologischen Preis.
  • Das Wort „souverän“ wieder im eigentlichen Sinne denken. Wenn ich souverän, also autonom/unabhängig/eigenständig bin, bin ich nicht erpressbar. So schlimm man die Verflechtungen von Politik und Wirtschaft finden mag, wenn ich nicht mehr konsumiere, sind die beiden machtlos.
  • Die Politik braucht aber auch Signale wie „wir halten es aus, wenn in unserer Stadt keine Autobahn gebaut wird“. Laut einer Studie (leider weiß ich nicht mehr, welche) reagiert die Polititk schon, wenn nur 5% etwas radikal anders machen, schließlich sind das wichtige Wählerstimmen. Ist doch sehr ermutigend, dass man auch als Minderheit etwas erreichen kann.

Danke für den spannenden Abend, Herr Paech. Es war schön jemanden zu hören, der die Worte Nachhaltigkeit und Freiheit nicht als Floskeln oder Verkaufsargumente nennt, sondern eine tiefere Idee dazu hat. Viele seiner Anregungen sind mir nicht unbekannt gewesen. Sie aber von einem Volkswirtschaftler zu hören, der diese Ideen lebt und darlegen kann dass eine solche Gesellschaft kein Haufen von Spinnern sondern ein zukunftsfähiges Konstrukt ist, hat eben eine andere Wirkung, als darüber zu lesen.

Links zu Niko Paech:

Interview im Tagesspiegel
Artikel in der Zeit
Materialien zur Ringvorlesung „Postwachstumsökonomie“

Saatgutbörse Transition Town

Gestern abend war ich auf der Saatgutbörse, die die Leute von Transition Town Bielefeld zum dritten Mal organisiert hatten.

Ich bin reich beschenkt nach Hause gekommen, mit:

  • einem tollen Gesprächen mit Claudia und Nico, Biologin und Forstwirt. Gut zu wissen, dass man Leute im Freundeskreis hat, die die Ansichten über das Gärtnern teilen!
  • einem interessanten Gespräch mit Martin von Transition Town über ein Wohnprojekt.
  • in diesem Fall ohne: ein Exemplar des Garten-Starters. Es ist jetzt Teil der mobilen Bücherei von Transition Town.
  • dem Wissen, dass es bei Melle einen Bioland-Betrieb gibt, wo Saatgut von etwa 200 alten Gemüse- und Blumensorten vermehrt wird. Privatleute bekommen es über www.bio-saatgut.de
  • einer Visitenkarte der wissenschaftlichen Referentin vom Freilichtmuseum Detmold. Das Museum hat dieses Jahr unter dem Motto „Marsch, marsch ins Beet“ ein Programm rund um den Garten und alte, regionale Nutzpflanzensorten auf die Beine gestellt.
  • Samen von Hirschhornwegerich (Plantago coronopus). Ich finde zum einen das Blatt sensationell schön, außerdem soll er den Winter über grün bleiben und kräftig schmecken. Ich bin gespannt…
  • Samen von kriechender, roter Kapuzinerkresse. Ich bin gespannt, ob sie schneckenresistent und halbschattenverträglich ist.
  • einem dicken Puschel Bärlauchzwiebeln. Auf welchem Weg diese auf die Saatgutbörse gekommen waren, war nicht herauszufinden. Ich hoffe, sie stammen aus einem privaten Garten oder Wald.
  • zwei Saatkartoffeln ‚Blaue Odenwälder‘. Die mehlige Sorte hat eine leicht violette Schale, hellgelbes Fleisch und blassblaue Blüten.
  • dem Tipp, dass Anfang Mai an der Kirche in Bielefeld-Quelle eine Pflanzenbörse stattfinden wird. Sobald ich den Termin erfahre, stelle ich ihn natürlich auf die entsprechende Seite hier im Blog.

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