Saatgutbörse Transition Town

Gestern abend war ich auf der Saatgutbörse, die die Leute von Transition Town Bielefeld zum dritten Mal organisiert hatten.

Ich bin reich beschenkt nach Hause gekommen, mit:

  • einem tollen Gesprächen mit Claudia und Nico, Biologin und Forstwirt. Gut zu wissen, dass man Leute im Freundeskreis hat, die die Ansichten über das Gärtnern teilen!
  • einem interessanten Gespräch mit Martin von Transition Town über ein Wohnprojekt.
  • in diesem Fall ohne: ein Exemplar des Garten-Starters. Es ist jetzt Teil der mobilen Bücherei von Transition Town.
  • dem Wissen, dass es bei Melle einen Bioland-Betrieb gibt, wo Saatgut von etwa 200 alten Gemüse- und Blumensorten vermehrt wird. Privatleute bekommen es über www.bio-saatgut.de
  • einer Visitenkarte der wissenschaftlichen Referentin vom Freilichtmuseum Detmold. Das Museum hat dieses Jahr unter dem Motto „Marsch, marsch ins Beet“ ein Programm rund um den Garten und alte, regionale Nutzpflanzensorten auf die Beine gestellt.
  • Samen von Hirschhornwegerich (Plantago coronopus). Ich finde zum einen das Blatt sensationell schön, außerdem soll er den Winter über grün bleiben und kräftig schmecken. Ich bin gespannt…
  • Samen von kriechender, roter Kapuzinerkresse. Ich bin gespannt, ob sie schneckenresistent und halbschattenverträglich ist.
  • einem dicken Puschel Bärlauchzwiebeln. Auf welchem Weg diese auf die Saatgutbörse gekommen waren, war nicht herauszufinden. Ich hoffe, sie stammen aus einem privaten Garten oder Wald.
  • zwei Saatkartoffeln ‚Blaue Odenwälder‘. Die mehlige Sorte hat eine leicht violette Schale, hellgelbes Fleisch und blassblaue Blüten.
  • dem Tipp, dass Anfang Mai an der Kirche in Bielefeld-Quelle eine Pflanzenbörse stattfinden wird. Sobald ich den Termin erfahre, stelle ich ihn natürlich auf die entsprechende Seite hier im Blog.

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Einmal waschen und wachsen bitte

Ich gebe zu, mein Auto macht gerade harte Zeiten durch. Ich löse meinen alten Garten auf und transportiere täglich Pflanzen, erdverkrustete Spaten und eine in Jahren angelegte Sammlung an Blumentöpfen in seinem Minikofferraum. Als ob innere Verunreinigung nicht genug wäre,  hatten sich zwei Tauben derart heftig auf Motorhaube, Dach und Windschutzscheibe verewigt, dass ein Besuch in der Waschanlage unabwendbar war.
Ich verbrachte meinen Samstag also wie ein guter Deutscher: Erst Garten ausmisten, dann am Recyclinghof in die Schlange stellen, um das Ausgemistete entsorgen zu dürfen, anschließend Autowäsche.

Offensichtlich hatten alle anderen Bielefelder Autobesitzer ihren Wagen schon längst frühlingsfrisch gemacht oder die Szene ließ wo anders heißwachsen. Statt mich freundlich zu begrüßen, raunzte mich der Autowaschanlagenfacharbeiter an: „Alter, wie sieht denn dein Auto aus??!!“ Da ich es ja nicht selbst vollgeschissen hatte, hoffte ich auf Mitgefühl: „Ja, heftig, oder?“ „Ey schau dir mal an, wie das aussieht! Wie willst du das denn sauber kriegen, da muss du schon 20 mal hier durchfahren!“

Ich aber hatte einen Tag, an dem das Postivdenken mir leicht fällt und war mir ziemlich sicher, das Problem mit einer einzigen Wäsche beheben zu können, außerdem wenig Lust unnötige Summen in die Autowäsche zu investieren und vor allem hätte ich statt beschimpft zu werden, gerne endlich mit der ersten der von ihm angedrohten 20 Wäschen angefangen. Mein Vorschlag wurde wutschnaubend und mit einem dahingeschnodderten „Na wenn du meinst…“ akzeptiert, während sich die Hand gierig nach meinem Geld streckte.

Endlich durfte ich meinen Wagen durch die heiligen Hallen der Autofetischisten ziehen lassen. Meinetwegen dürfte das Autowaschen Stunden dauern. Ich liebe es zuzusehen, wie weißer, fluffiger Schaum in schweren Tropfen auf die Scheibe platscht, 1000 Lappenfinger das Auto von allen Seiten betasten und wie mir zum Abschieddie flusigen Arme einer Polierschaumkrake  zuwinken. Ich fühle mich wie in der Märchenbahn im Freizeitpark – nur dass Metallica statt mechanisches Vogelgezwitscher den Soundtrack bildet und mir keine Fremden zartpinke Zuckerwattewolken ins Gesicht drücken.

Viel zu schnell wurden Auto und ich wieder ausgespuckt. Kurz dachte ich über den Vorschlag des freundlichen jungen Mannes am „Empfang“ über die 20er-Karte nach. Frisch glänzende Motorhaube, Dach und Windschutzscheibe ohne taubige Souvenirs überzeugten mich jedoch vom Gegenteil.

Gärtner im Glück

In der Konzeptphase des Garten-Starters habe ich unter einigen Gartenbesitzern in meinem Freundeskreis eine Umfrage gestartet, welche Fragen sie beim Gärtnern bewegen und was sie sich von einem Anfängerbuch wünschen. Als Belohnung gab es ein Exemplar des Buches zu gewinnen. Viele Anregungen haben im Buch einen Platz bekommen, außerdem war es sehr hilfreich, beim Schreiben ein Bild von Lesern von sich zu haben. Vielen Dank an alle, die ihre Gärtnersorgen zu Papier gebracht haben.

Endlich konnte ich die Verlosung in Angriff nehmen. Glücksfee war Nadja, Fotografin des Buchs. Dir, liebe Yvonne herzlichen Glückwunsch und ganz viel Freude beim Lesen und Bildergucken!!

Wer weniger Glück hatte, bekommt das Buch im Handel oder guckt hier wieder rein. Zum Welttag des Buchs am 23. April verlose ich wieder ein Exemplar.

Euch ein schönes Wochenende & allzeit wasserdichte Gummistiefel!

Nature rules

Garten-Ansichten heißt die Rubrik und ihr habt euch wahrscheinlich auf Bilder von Gärten gefreut, die vor Schönheit strotzen und nun bekommt ihr nen Schutthaufen vorgesetzt. Zwischen Betonpflaster, akkurat gestutzer Scheinzypressenhecke, Mülltonnen. Einziger Lichtblick: der knallgelb blühende Huflattich (Tussilago farfara).

Was das soll? Ganz einfach: man kann an diesem Bild ziemlich viel über das Gärtnern lernen.

1. Einfalt, nein danke! Erschreckenderweise sind tatsächlich viele Gartenbesitzer der Ansicht, dass ein solcher „Steingarten“ eine feine Sache sei. Leicht zu pflegen und immer ordentlich (der Schutthaufen gehört nicht zur Gestaltung, siehe unten). Die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren, die auch für uns Menschen überlebenswichtig ist, wird in solchen Betonwüsten leider per Pflasterstein verdrängt.
Mein Anliegen wäre: Wer einen Garten hat, sollte sich klarmachen, dass er Verantwortung für ein Stück Natur übernimmt. Dieses Stück gehört wie Wälder, Wiesen, Flüsse zum großen Ökosystem Erde – und du hast die Chance es lebenswert zu gestalten. Wie du Vielfalt in den Garten bekommst, erklärt zum Beispiel der NABU.

2. Wer die passende Pflanze wählt, hat schon gewonnen. Der Schutthaufen ist Ergebnis eines Nachbarschaftsstreites. Die Nachbarn können sich nicht einigen, wer die Auffahrt pflastern soll, also tut es keiner. Es profitiert: der Huflattich. Er liebt Boden, der viel Kalk enthält und sich schnell erwärmt und hat sich ganz von selbst zwischen den Steinen angesiedelt.
Der Tipp für alle Gärtner heißt also: erst den Garten kennenlernen, dann bepflanzen. Wenn ich die Pflanzen setze, die mit Boden und Lichtverhältnissen klarkommen, die dort herrschen, braucht es kaum noch Pflege, damit sie wachsen.

3. Pflanzen sind ganz schön schön. Wenn der Huflattich überhaupt bemerkt wird, wird er von den meisten als Unkraut eingestuft. Dabei hat er diese knallgelben Blüten, die auf sehr abgefahren geformten Stängeln sitzen. Außerdem treiben die Blätter erst nachdem der Huflattich geblüht hat – man kann das knallgelb also pur genießen.
Irgendwie ist es doch auch ganz schön zu wissen, dass man sich, wenn man genauer hinsieht, eine Menge Unkraut jäten ersparen kann…

Kongress, Kinderlachen, Korschenbroich

Drei unglaublich erlebnisreiche Tage voller inspirierender Gespräche liegen hinter mir. Und das alles bei phänomenal stimmungsaufhellendem Sonnenschein und Forsythienblüte. Ich bin euphorisiert und motiviert für die arbeitsreichen Wochen, die vor mir liegen.

Samstag und Sonntag war ich bei Journalistinnentag in Köln und konnte an lehrreichen Workshops teilnehmen, spannende Frauen kennen lernen und Kontakte knüpfen. Jetzt kann ich ganz souverän mit Begriffen wie Micropayment, Affiliate und Crowdfunding um mich schmeißen und damit womöglich sogar Geld verdienen. Carolin Neumann, die den Workshop „money, money, money“ gehalten hat, hat mich sehr beeindruckt. Ein tolle, engagierte Frau!

Übernachtet habe ich bei Freunden und Tochter Anna – einem (fast) immer fröhlichen Kind, mit einem so ansteckenden Lachen, dass ich sofort gute Laune bekomme. Mir ist dank ihr wieder aufgefallen, wie viel Bestaunenswertes es in der Welt gibt.

Und heute durfte ich dann noch die Krimi-Autorin Jutta Profijt in, oder besser bei Korschenbroich besuchen. Die Frau mit dem schönen Vornamen schreibt nicht nur erfolgreich über Tote und weniger Tote, sondern für die Transition Town-Gruppe in Korschenbroich ein Gartenblog, aus dem inzwischen ein Gartenbuch wurde. In Blog und Buch berichtet sie über ihren „Zweitjob“ als Selbstversorgerin. Wir hatten zwei wunderschöne Stunden auf der weißen Bank im Obstgarten, von der Sonne beschienen und von Hühnern umpickt, inklusive einem ermutigenden Gespräch über Selbstversorger sein und „Systemprotest“.

Aus dem Gespräch habe ich viel mitgenommen – wohlsortiert und hoffentlich auch als Anregungen für euch, findet ihr es demnächst hier im Blog.

Wohin des Wegs? In den drei Tagen habe ich viel erfahren, was mich weiterbringt. Hier gehts erstmal von Jutta Profijts Haus Richtung Bahnhof – Äcker, frühlingshaft aktive Hasen und Sonne im Blick.

Mich juckts im Zeichenfinger

Mit einem Stift Spuren auf Papier zu hinterlassen, hat mir schon immer großes Vergnügen bereitet. Jetzt kann ich zwei Hobby auf einmal nachgehen: kritzeln und krauten!

Direkt nach dem Erscheinen habe ich mir das Gartenkritzelbuch von Lilli L’Arronge und Cornelia Haas gegönnt. Heute habe ich Secret Garden von der schottischen Illustratorin Johanna Basdon entdeckt. Das Buch mit packpapierbraunem Umschlag und den feinen Zeichnungen ist sooo schön – eigentlich hätte ich gleich zwei Exemplare bestellen sollen. Eins zum Ausmalen, eins um die Strichzeichnungen in schwarz-weiß zu genießen. Bis Mittwoch muss ich warten, dann kann ich es im Buchladen abholen! Und hier könnt ihr lesen, was die Zeichnerin selber über ihr Buch schreibt. Natürlich gibts das auch auf Deutsch.

SecretGarden_Basdon

Garten-Ansichten: Schritt für Schritt

gartenvorher01Meine Vormieter haben zwar 17 Jahre in „meiner“ Wohnung gewohnt, den Garten aber nur zum Anlegen eines Komposthaufens genutzt. Dementsprechend gibt es dort Wildwuchs statt Wiese, meterhohe, von unten verkahlte Büsche, Giersch, Giersch und noch mehr Giersch und bis auf eine Terrasse, die ich unter Erde und Unkraut erst freilegen musste eigentlich nichts, was an einen Garten erinnert.

Das „Projekt“ bringt mich an meine Grenzen. Nicht körperlich – da ist die Bewegung eine willkommene Abwechslung von der Schreibtischarbeit. Nicht was den langen Atem angeht – da ist es eher motivierend zu wissen, dass die Arbeit so schnell nicht ausgehen wird.

Was mir zu schaffen macht, ist meine nicht ausgeprägte Geduld. Im Garten geht eben nicht alles von jetzt auf gleich und manches gar nicht. Aus drei kleinen Forsythien wird in diesem Sommer keine die-neugierige-Nachbarin-am-Rübbergucken-hindernde Hecke, ein Kräuterbeet kann man am Nordhang anlegen, aber nur wenn keine Kräuter darin wachsen sollen und bevor ich im Geiste das Gewächshaus aufgebaut habe, sollte ich vielleicht mal „in real“ die Treppe die den Hang hoch zum Garten führt in etwas verwandeln, was nicht schon beim Ansehen verstauchte Gelenke verspricht.

Irgendwie ist es ja auch gut zu wissen, dass selbst im Internetzeitalter nicht alle Wünsche erfüllbar sind, sondern dass es immer noch Dinge gibt, die so schnell gehen, wie sie gehen. Aber könnte das Universum nicht vielleicht in meinem Garten eine Ausnahme machen???

call me ‚Rose‘

Neulich bin ich auf die wunderbare Seite punkname.de gestoßen. Dort gibt man seinen echten Namen ein und bekommt einen punkrocktauglichen verpasst.

Seht euch mein Ergebnis an:

punkrockname

Seeeehr punkig, wirklich! Aber Zufall kann es ja wohl auch nicht sein, dass ich einen Blumennamen bekomme… Wie auch immer: ich freu mich drüber.

Und ihr? Wie darf ich euch ab jetzt nennen?

Wir sind der Verkehr

Sieh mal einer an.

Am Freitag 18.7.14 war die erste critcal mass in Bielefeld

 

Nebeneinander auf der Straße fahren dürfen, Spaß haben und dabei noch etwas für eine bessere Welt tun – eine tolle Idee.

Das ganze nett sich ‚Critical Mass‘ und ist keine Demonstration, sondern das Ausnutzen der Straßenverkehrsordnung für einen guten Zweck. In dem Gesetzestext heißt es nämlich, dass wenn 15 Radfahrer zusammenkommen, sie als ‚geschlossener Verband‘ gelten und als ein Fahrzeug gelten. Mitten auf der Straße fahren, im Pulk abbiegen oder über eine Ampel fahren dürfen, die gerade zu rot übergesprungen ist inklusive!

Wer teilnimmt, macht damit aufmerksam, wie viel Spaß Radfahren macht, aber auch wie umweltfreundlich und intelligent es ist. Frei nach dem Motto „Wir blockieren den Verkehr nicht, wir sind der Verkehr“.

Eine super Aktion, wie ich finde! Hat nicht jemand Lust, das in Bielefeld zu organisieren?
Oder gibt es das womöglich schon und keiner hat mir bescheid gesagt?

Davon gelesen habe ich in fairkehr, einer interessanten Zeitschrift, die ich bekomme seit ich 2013 Mitglied im VCD geworden bin. Den VCD halte ich übrigens für eine super Alternative zu dem Verein mit den gelben Engeln. Mir hat deren Denke schon länger nicht mehr gepasst. Jetzt freue ich mich bei jeder Schweinerei, die neu rauskommt, dass sie nicht mit meinem Geld finanziert wurde.